„Morgen regnet es, mein Knie spürt das schon." Vielleicht sagst du diesen Satz selbst, wenn du Arthrose, Rheuma oder eine alte Verletzung hast. Wetterfühligkeit bei Schmerzen ist eine verbreitete Alltagserfahrung, und die Forschung liefert dazu bis heute kein einheitliches Bild.
Du musst dich in diesem Streit nicht auf eine Seite schlagen. Mit vier Wochen sorgfältiger Aufzeichnung prüfst du die Frage an deinen eigenen Daten, so angelegt, dass Erinnerung und Erwartung das Ergebnis möglichst wenig verfälschen.
Was Studien bisher zeigen
Die Ergebnisse widersprechen sich, wie drei Untersuchungen zeigen:
- Ein kleiner Zusammenhang. Die University of Manchester hat im Projekt „Cloudy with a Chance of Pain" tägliche Schmerzangaben aus einer Smartphone-App mit den Wetterdaten am Wohnort der Teilnehmenden in Großbritannien verknüpft. Die 2019 veröffentlichte Auswertung fand an feuchten, windigen Tagen mit niedrigem Luftdruck etwas höhere Schmerzwerte. Der Effekt war klein.
- Kein Zusammenhang bei Regen. Forschende der Harvard Medical School werteten Abrechnungsdaten älterer US-Versicherter aus (British Medical Journal, 2017). Sie fanden keinen Zusammenhang zwischen Regentagen und Arztbesuchen wegen Gelenk- oder Rückenschmerzen. Arztbesuche messen allerdings nicht den Schmerz selbst.
- Überzeugung ohne Messbefund. Der Arzt Donald Redelmeier und der Psychologe Amos Tversky begleiteten 1996 Menschen mit rheumatoider Arthritis über viele Monate. Die meisten waren überzeugt, dass ihre Schmerzen dem Wetter folgen. In ihren Messwerten fanden die beiden Forscher das nicht.
Als mögliche Erklärungen diskutieren Fachleute Luftdruckänderungen, die auf das Gewebe in und um gereizte Gelenke wirken könnten, und Kälte, die Muskeln und Gelenke steifer macht. Hinzu kommt dein Verhalten: An einem grauen Regentag bewegst du dich weniger und sitzt mehr. Ein schwacher Effekt bei einem Teil der Menschen bleibt möglich. Für dich selbst kann er größer, kleiner oder gleich null sein.
Warum dein Gedächtnis kein gutes Messgerät ist
Ein schlechter Tag mit Sturm bleibt dir im Kopf, weil er zur Erwartung passt. Ein schlechter Tag bei Sonnenschein verschwindet aus der Erinnerung, ebenso der Regentag, an dem das Knie ruhig war. Nach ein paar Monaten zählst du nur die Treffer.
Die Erwartung wirkt auch im Moment selbst. Hast du morgens die Wetter-App gesehen und weißt, dass ein Tief kommt, deutest du ein leichtes Ziehen schneller als Zeichen. Dazu kommen Störfaktoren, die mit dem Wetter wechseln: weniger Bewegung, mehr Zeit auf dem Sofa, schlechterer Schlaf bei Hitze. Ohne Aufzeichnung kannst du diese Einflüsse nicht vom Luftdruck trennen.
Der Vier-Wochen-Selbsttest
Vor dem Start
- Schreib deine Vermutung konkret auf. Zum Beispiel: „An Tagen mit Wetterumschwung liegt mein rechtes Knie im Schnitt mindestens 1 Punkt höher." Leg die Schwelle vorher fest, damit du sie hinterher nicht passend machst.
- Wähl einen Wetterfaktor und eine Quelle. Nimm den, den du im Verdacht hast: Umschwung, fallender Luftdruck, nasskalt oder Föhn. Als Quelle eignen sich der Deutsche Wetterdienst, MeteoSchweiz, GeoSphere Austria oder die Wetter-App deines Telefons. Bleib die ganzen vier Wochen bei derselben.
Jeden Tag
- Trag deinen Schmerz zur selben Uhrzeit ein, auch an guten Tagen. Erst die Zahl, danach der Blick aufs Wetter.
- Notier das Wetter getrennt und anhand der Quelle, als Ja oder Nein: Ist dein Wetterfaktor heute eingetreten?
- Halte die Störfaktoren fest: Bewegung, langes Sitzen, Schlaf.
Nach vier Wochen
Teil die Tage in zwei Gruppen und bilde je Gruppe den Durchschnitt. Ein ausgedachtes Beispiel:
| Tage | Ø Schmerz | |
|---|---|---|
| mit Wetterumschwung | 7 | 5,1 |
| ohne Wetterumschwung | 21 | 4,3 |
- Prüf die Datenbasis. Bei nur zwei oder drei Wettertagen sagt ein Unterschied wenig, dann verlängerst du auf acht Wochen. Schau auch auf den Tag vor dem Umschwung, falls du das Wetter im Voraus zu spüren glaubst.
- Vergleich mit deiner Schwelle. Verschwindet der Unterschied, sobald du die Tage mit langem Sitzen herausnimmst, spricht mehr für das Sitzen als für das Wetter.
Für Neugierige gibt es eine Zusatzprobe zur Vorhersage. Schreib jeden Abend auf, ob dein Gelenk für morgen einen Umschwung ankündigt, bevor du in die Wetter-App schaust. Nach vier Wochen legst du deine Notizen neben die Daten deiner Quelle. Triffst du kaum öfter als beim Münzwurf, spürst du das Wetter vermutlich nicht im Voraus.
Ein Gelenk, das plötzlich anschwillt, rot und überwärmt ist, gehört zeitnah ärztlich abgeklärt, besonders bei Fieber. Das gilt unabhängig davon, wie das Wetter gerade ist.
So setzt du den Test in SchmerzTrack um
SchmerzTrack ruft keine Wetterdaten ab, den Wettertag setzt du selbst. Unter „+ Tags hinzufügen" gibt es die Vorgabe „Wetter hat umgeschlagen". Für eine genauere Vermutung legst du unter Mehr → Tags einen eigenen Tag an, etwa „Luftdruck fällt" oder „nasskalt". Für die Störfaktoren stehen „habe mich bewegt", „habe lange gesessen" und „habe schlecht geschlafen" bereit.
Kostenlos sind Einträge, Tags und der Verlauf über 7 und 30 Tage. Die beiden Gruppen kannst du im Tagebuch auszählen. Mit Pro rechnet die Auslöser-Analyse in der Auswertung den Vergleich für dich: Sie stellt deine Intensität an Einträgen mit einem Tag denen ohne ihn gegenüber, über die letzten 180 Tage. Ein Tag erscheint ab 12 Einträgen, davon 4 mit und 4 ohne ihn. Liegt der Unterschied unter 0,5 Punkten, steht er grau als „kein deutlicher Unterschied" da. Jede Auswertung trägt den Hinweis „Zusammenhang, keine Ursache". Mit Pro zeigt der Verlauf außerdem 90 Tage und den gesamten Zeitraum.
Wie du über das Wetter hinaus nach Auslösern suchst, beschreibt Schmerzauslöser finden. Speziell für Gelenke hilft Gelenkschmerzen bei Arthrose und Rheuma dokumentieren, die Grundlagen stehen im Leitfaden zum Schmerztagebuch.
Häufige Fragen
Ist Wetterfühligkeit bei Schmerzen wissenschaftlich belegt? Teilweise. Einige Studien finden einen kleinen Zusammenhang mit Luftfeuchtigkeit, Wind und niedrigem Luftdruck, andere finden keinen. Ein starker Effekt, der für alle gilt, ist nicht belegt.
Warum tun Gelenke bei Wetterumschwung weh? Geklärt ist das nicht. Fachleute diskutieren Luftdruckänderungen, Kälte und das veränderte Verhalten an schlechten Tagen, zum Beispiel weniger Bewegung.
Wie lange sollte ich ein Wettertagebuch führen? Vier Wochen sind ein guter Anfang. Hattest du in dieser Zeit nur wenige Tage mit deinem Wetterfaktor, verlängere auf acht Wochen, damit beide Gruppen genug Tage haben.
Kann eine App den Zusammenhang mit dem Wetter automatisch erkennen? SchmerzTrack holt keine Wetterdaten ab. Du setzt den Wettertag selbst als Tag, die Auslöser-Analyse (Pro) vergleicht dann deine Werte mit und ohne diesen Tag.
SchmerzTrack ist kein Medizinprodukt und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Die App dient der persönlichen Dokumentation und Selbstbeobachtung.