Was ist Kopfschmerz durch Schmerzmittel?
Wer Kopfschmerz- oder Migränemittel über Monate an sehr vielen Tagen nimmt, kann davon selbst häufiger Kopfschmerzen bekommen. Fachleute nennen das Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch, im Englischen Medication Overuse Headache (MOH). Er setzt auf eine bestehende Kopfschmerzerkrankung auf, meist eine Migräne oder einen Spannungskopfschmerz. Die Kopfschmerztage nehmen zu, die Mittel wirken schlechter, und oft greift man dann noch häufiger zur Tablette.
Die gute Nachricht: Diese Form des Kopfschmerzes bessert sich bei den meisten Betroffenen, wenn der Übergebrauch endet und die zugrunde liegende Kopfschmerzerkrankung gut behandelt wird. Wie das in deinem Fall aussieht, entscheidest du zusammen mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Die Schwellen: 10 und 15 Tage im Monat
Die internationale Kopfschmerzklassifikation ICHD-3 der International Headache Society beschreibt den Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch so: Kopfschmerz an 15 oder mehr Tagen im Monat bei einer schon bestehenden Kopfschmerzerkrankung, dazu seit mehr als drei Monaten eine regelmäßige Einnahme von Akutmitteln oberhalb einer Schwelle. Die Schwelle hängt von der Wirkstoffgruppe ab und wird in Tagen gemessen, nicht in Tabletten.
Zusätzlich gibt es die 10-20-Regel als einfache Faustregel aus der Kopfschmerzmedizin: Akutmittel an höchstens 10 Tagen im Monat, an mindestens 20 Tagen keine. Sie liegt für einfache Schmerzmittel bewusst unter der Schwelle der ICHD-3 und lässt sich gut im Alltag merken.
| Akutmittel | Einnahmetage pro Monat (über mehr als 3 Monate) |
|---|---|
| Einfaches Schmerzmittel Paracetamol, Ibuprofen, ASS, Naproxen, Diclofenac (NSAR) |
ab 15 Tagen |
| Triptan z. B. Sumatriptan, Rizatriptan, Zolmitriptan |
ab 10 Tagen |
| Kombinationspräparat mehrere Wirkstoffe in einer Tablette, z. B. ASS + Paracetamol + Koffein |
ab 10 Tagen |
| Opioid z. B. Tramadol, Tilidin, Codein |
ab 10 Tagen |
| Ergotamin Mutterkornalkaloide, heute selten |
ab 10 Tagen |
| Mehrere Gruppen | Mehrere Gruppen, keine allein über ihrer Schwelle: zusammen ab 10 Tagen |
| 10-20-Regel (Faustregel) | Akutmittel an höchstens 10 Tagen im Monat, an mindestens 20 Tagen keine |
Warum zählen besser ist als schätzen
In der Sprechstunde lautet die Frage oft: „An wie vielen Tagen haben Sie im letzten Monat etwas genommen?“ Aus dem Gedächtnis denkt man an die schweren Attacken. Die einzelne Ibuprofen vor einem langen Termin oder die Tablette gegen Rückenschmerzen fehlt leicht – und genau solche Tage schieben die Summe über eine Schwelle.
Der Zähler macht drei Dinge, die beim Schätzen untergehen: Er zählt jeden Tag nur einmal, auch wenn du zwei Mittel genommen hast. Er zählt jede Wirkstoffgruppe getrennt, weil Triptane eine andere Schwelle haben als Ibuprofen. Und er rechnet die Gruppen zusammen, denn wer an 6 Tagen Ibuprofen und an 5 anderen Tagen ein Triptan nimmt, liegt einzeln unter den Schwellen, zusammen aber bei 11 Tagen.
Neben dem Kalendermonat zeigt der Zähler die letzten 30 Tage. So siehst du auch in der Monatsmitte, wo du stehst. Die Ampel ist eine Orientierung: Grün heißt unter allen Schwellen, Gelb heißt nah an der 10-Tage-Grenze oder darüber beziehungsweise sehr viele Kopfschmerztage, Rot heißt, dass eine Schwelle der ICHD-3 erreicht ist.
So nutzt du den Zähler
Tipp jeden Abend auf den heutigen Tag und wähle aus, ob du Kopfschmerzen hattest und welche Akutmittel du genommen hast. Trag auch Schmerzmittel ein, die du wegen anderer Beschwerden nimmst; ob sie für deinen Kopfschmerz zählen, beurteilt deine Ärztin. Tage ohne Eintrag zählen als Tage ohne Kopfschmerz und ohne Mittel. Vergangene Tage kannst du nachtragen, indem du zurückblätterst.
Vor dem Termin druckst du die Monatsübersicht aus oder speicherst sie als PDF. Sie zeigt jeden Tag des Monats mit Kopfschmerz und Mittelgruppe, dazu die Summen. Am aussagekräftigsten sind drei Monate am Stück.
Was tun, wenn die Ampel gelb oder rot zeigt?
Ruhig bleiben und das Gespräch suchen. Eine rote Ampel ist ein guter Anlass für einen Termin in der Hausarztpraxis, einer neurologischen Praxis oder einem Kopfschmerzzentrum, keine Diagnose. Dort wird geklärt, um welche Kopfschmerzart es geht, ob eine vorbeugende Behandlung sinnvoll ist und wie eine Medikamentenpause gegebenenfalls ablaufen kann.
Setz Medikamente, die dir verordnet wurden, nicht auf eigene Faust ab – besonders Opioide nicht. Und verzichte nicht aus Sorge vor der Schwelle auf eine nötige Behandlung, sondern sprich das Problem offen an. Deine gezählten Tage sind dafür die beste Grundlage.
Sofort ärztliche Hilfe
Ruf den Notruf 112 oder lass dich sofort untersuchen bei einem schlagartig einsetzenden, sehr heftigen Kopfschmerz, bei Kopfschmerz mit Fieber und steifem Nacken, bei Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen, Verwirrtheit und bei Kopfschmerz nach einer Kopfverletzung.
Häufige Fragen
Ab wie vielen Tagen bekommt man Kopfschmerzen durch Schmerzmittel?
Die ICHD-3 zählt Einnahmetage pro Monat über mehr als drei Monate: ab 15 Tagen bei einfachen Schmerzmitteln wie Paracetamol, Ibuprofen oder ASS, ab 10 Tagen bei Triptanen, Ergotaminen, Opioiden und Kombinationspräparaten sowie ab 10 Tagen, wenn mehrere Gruppen zusammenkommen. Dazu gehören Kopfschmerzen an 15 oder mehr Tagen im Monat.
Was besagt die 10-20-Regel?
Sie ist eine Faustregel aus der Kopfschmerzmedizin: Schmerz- oder Migränemittel an höchstens 10 Tagen im Monat nehmen, an mindestens 20 Tagen keine. Sie ist strenger als die ICHD-3-Schwelle für einfache Schmerzmittel und soll vorbeugen.
Zählen zwei Tabletten am selben Tag doppelt?
Nein. Es zählt der Tag. Nimmst du an einem Tag zwei verschiedene Mittel, zählt der Tag bei jeder Gruppe, in der Gesamtsumme aber nur einmal.
Zählt Ibuprofen gegen Rückenschmerzen mit?
Trag es in jedem Fall ein. Ob es für deinen Kopfschmerz eine Rolle spielt, beurteilt deine Ärztin oder dein Arzt mit Blick auf alle Einnahmen.
Wo werden meine Daten gespeichert?
Nur im Speicher deines Browsers auf diesem Gerät. Es gibt kein Konto und keine Übertragung an einen Server. Wenn du die Browserdaten löschst oder auf „Alle Daten löschen“ tippst, sind die Markierungen weg.
Ersetzt der Zähler einen Arztbesuch?
Nein. Er stellt keine Diagnose und sagt dir nicht, wie viel du nehmen darfst. Er liefert die Zahlen, mit denen deine Ärztin oder dein Arzt die Lage besser einschätzen kann.
Weiterlesen
Quellen
- International Headache Society (IHS): ICHD-3: 8.2 Medication-overuse headache (MOH)
- DMKG, DGN und Deutsche Hirnstiftung: Patientenleitlinie Therapie der Migräne (2025)
- DGN / AWMF: S1-Leitlinie Kopfschmerz bei Übergebrauch von Schmerz- oder Migränemitteln (030-131)
- IQWiG / gesundheitsinformation.de: Arzneimittelbedingte Kopfschmerzen
- Schmerzklinik Kiel: Die 10-20-Regel in der Migräne- und Kopfschmerztherapie
Mehr als Striche im Kalender: In der App SchmerzTrack legst du deine Akutmittel als Bedarfsmedikamente an und protokollierst jede Einnahme mit Uhrzeit, auf Wunsch mit Nachfrage zur Wirkung – kostenlos. Mit SchmerzTrack Pro bekommst du Monatsberichte und einen PDF-Arztbericht mit Medikamentenliste und Einnahmeprotokoll.
Der Zähler hilft beim Zählen und Einordnen. Er stellt keine Diagnose und gibt keinen Rat zur Dosierung. Bei einem plötzlichen, sehr heftigen oder ungewohnten Kopfschmerz hol dir sofort ärztliche Hilfe – im Notfall über die 112.