Schmerz bei Demenz beobachten: Bogen nach PAINAD (BESD)

Wenn ein Mensch mit Demenz nicht mehr sagen kann, was wehtut, zeigt es oft sein Verhalten. Mit diesem Bogen beobachtest du zwei Minuten lang fünf Bereiche, siehst die Summe von 0 bis 10 und sammelst mehrere Messungen für Hausarztpraxis, Pflegedienst oder Heim.

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Situation

Beobachte die Person zwei Minuten lang, dann wähle je Bereich das Verhalten mit dem höchsten Punktwert, das du gesehen hast. Im Zweifel wählst du das, was du am ehesten beobachtet hast.

1Atmung

Unabhängig von Lauten oder Sprechen.

2Negative Laute

Stöhnen, Jammern, Rufen, Weinen.

3Gesichtsausdruck

Stirn, Augen, Mund.

4Körpersprache

Haltung, Hände, Bewegungen.

5Trost

Wie reagiert die Person auf Zuwendung?

Summe –/10

Noch 5 von 5 Bereichen offen.

Schmerzbeobachtung bei Demenz (nach PAINAD)

Fremdbeobachtung über je zwei Minuten in fünf Bereichen mit 0 bis 2 Punkten. Die Summe ist keine Selbstauskunft und nicht mit einer Zahl auf der Schmerzskala 0 bis 10 gleichzusetzen. Aussagekräftig ist vor allem der Verlauf.

Verlauf

Die Messungen liegen nur in diesem Browser. Wer den Browserverlauf löscht oder ein anderes Gerät nutzt, sieht sie nicht.

Noch keine Messung gespeichert.

A = Atmung, L = negative Laute, G = Gesichtsausdruck, K = Körpersprache, T = Trost. Je 0 bis 2 Punkte, Summe 0 bis 10.

Erstellt mit dem kostenlosen Beobachtungsbogen von SchmerzTrack, kein Medizinprodukt: https://schmerztrack.app/de/besd-schmerzskala-demenz

Der Bogen ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Bei plötzlicher Verwirrtheit, nach einem Sturz, bei Atemnot oder Brustschmerz rufst du die Hausarztpraxis, den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) oder im Notfall die 112 an.

Woran du Schmerzen bei Demenz erkennst

Menschen mit fortgeschrittener Demenz können Schmerzen oft nicht mehr benennen oder verorten. Sie zeigen sie anders. Achte besonders auf Veränderungen gegenüber dem gewohnten Verhalten:

  • Gesicht: gerunzelte Stirn, zusammengekniffene Augen, verzerrter Mund, ängstlicher Blick
  • Laute: Stöhnen, Seufzen, Jammern, Rufen, vor allem bei Bewegung oder Berührung
  • Körper: Schonhaltung, Anspannung, eine Stelle reiben oder festhalten, Zurückzucken
  • Verhalten: Rückzug, Unruhe, Umherlaufen, Abwehr oder Aggression bei der Pflege
  • Alltag: schläft schlechter, isst und trinkt weniger, will nicht mehr aufstehen
  • Geist: wirkt plötzlich verwirrter oder unruhiger als sonst

Jedes Zeichen kann auch andere Gründe haben, etwa Angst, Hunger, Harndrang oder eine fremde Umgebung. Wenn möglich, frag trotzdem zuerst: Viele Menschen mit leichter oder mittlerer Demenz können auf „Tut es gerade weh?“ noch antworten. Die Beobachtung ergänzt diese Auskunft, sie ersetzt sie nicht.

So beobachtest du richtig

  1. Wähle eine Situation und halte sie fest: in Ruhe (Sitzen, Liegen) oder in Bewegung (Aufstehen, Waschen, Umsetzen, Gehen).
  2. Beobachte zwei Minuten lang, ohne nebenher anderes zu tun. Beim Umsetzen hilft eine zweite Person, die nur beobachtet.
  3. Wähle je Bereich das stärkste Verhalten, das du gesehen hast. Jeder Bereich zählt höchstens 2 Punkte.
  4. Beobachte möglichst immer in denselben Situationen, zum Beispiel bei der Morgenpflege und abends im Sessel. Nur so lassen sich die Werte vergleichen.
  5. Miss in Ruhe und in Bewegung. Ist der Wert in Bewegung höher, spricht das für einen bewegungsabhängigen Schmerz.
  6. Wiederhole die Beobachtung nach einer Maßnahme, etwa eine Stunde nach einem Bedarfsmedikament. Sinkt der Wert, ist das ein wichtiger Hinweis für die Ärztin.

Was die Punkte bedeuten

Einen sicheren Grenzwert für Schmerzen gibt es bisher nicht. Der Arbeitskreis Alter und Schmerz der Deutschen Schmerzgesellschaft empfiehlt diese Einordnung:

0 PunkteKein Schmerzverhalten erkennbar. Schmerzen sind nicht ausgeschlossen.
1 PunktMehr Aufmerksamkeit für mögliche Ursachen und weitere Zeichen.
ab 2 PunktenSchmerzen wahrscheinlich. Eine Studie (Lukas 2013) fand den Grenzwert erst bei 4 Punkten.

Die Summe ist keine Schmerzstärke wie bei der Skala 0 bis 10 und sagt nichts darüber, wie stark jemand im Vergleich zu einer anderen Person leidet. Aussagekräftig ist der Verlauf bei derselben Person: Steigt der Wert, ist er in Bewegung höher als in Ruhe oder sinkt er nach einer Schmerzbehandlung, spricht das für Schmerzen.

Was du für Arzt und Pflege dokumentierst

Die Hausärztin sieht die Person meist nur für ein paar Minuten, du siehst sie über Tage. Deshalb zählt deine Beobachtung. Halte bei jeder Messung Datum, Uhrzeit, Situation und Summe fest und ergänze in der Notiz, was dir auffällt: welche Stelle geschont wird, ob die Person weniger isst, was du getan hast und wie es eine Stunde später aussah.

Beschreib zu Beginn in zwei, drei Sätzen, wie sich die Person an einem guten Tag verhält. Gegen diese Beschreibung liest die Ärztin jede spätere Beobachtung. Bring zum Termin den ausgedruckten Verlauf der letzten zwei bis vier Wochen und die Medikamentenliste mit.

Herkunft: PAINAD und BESD

Die PAINAD (Pain Assessment in Advanced Dementia) wurde 2003 von Victoria Warden, Ann Hurley und Ladislav Volicer in den USA für Menschen mit fortgeschrittener Demenz entwickelt. Sie bewertet Atmung, negative Lautäußerungen, Gesichtsausdruck, Körpersprache und Trost mit je 0 bis 2 Punkten. Die deutsche Fassung heißt BESD (Beurteilung von Schmerzen bei Demenz). Sie wurde von Matthias Schuler und Kollegen übersetzt, in Pflegeheimen geprüft und wird vom Arbeitskreis Alter und Schmerz der Deutschen Schmerzgesellschaft herausgegeben.

Der Bogen auf dieser Seite übernimmt die fünf Bereiche und die Punktwerte. Die Beschreibungen sind eigene, sinngemäße Formulierungen und nicht der offizielle BESD-Wortlaut. Den Originalbogen und die Anleitung lädst du kostenlos bei der Deutschen Schmerzgesellschaft herunter, Links stehen unten bei den Quellen.

Frag den Pflegedienst oder das Heim, welchen Bogen sie verwenden. Nutzt ihr denselben, sprecht ihr über dieselben Bereiche und Werte.

Können Angehörige den Bogen nutzen?

Geprüft wurde die BESD mit ausgebildeten Pflegekräften. Laut Deutscher Schmerzgesellschaft fallen die Ergebnisse von Angehörigen und fachfremden Personen deutlich ungenauer aus. Trotzdem ist es wichtig, dass alle, die die Person begleiten, ihre Beobachtungen einbringen. Nutze den Bogen deshalb als Gedächtnisstütze und Gesprächsgrundlage, nicht als Diagnose, und besprich auffällige Werte mit Pflege oder Hausarztpraxis.

Häufige Fragen

Was ist die BESD?

BESD steht für Beurteilung von Schmerzen bei Demenz. Es ist die deutsche Fassung der amerikanischen PAINAD. Pflegekräfte beobachten damit zwei Minuten lang Atmung, Laute, Gesicht, Körpersprache und Reaktion auf Trost und vergeben je 0 bis 2 Punkte.

Ab wie vielen Punkten hat jemand Schmerzen?

Einen sicheren Grenzwert gibt es nicht. Die Deutsche Schmerzgesellschaft empfiehlt, ab 2 Punkten von wahrscheinlichen Schmerzen auszugehen. Auch 0 Punkte schließen Schmerzen nicht aus.

Wie oft sollte ich beobachten?

Am besten regelmäßig in denselben Situationen, etwa einmal in Ruhe und einmal bei der Pflege, und zusätzlich nach jeder Schmerzbehandlung. Der Verlauf sagt mehr als ein einzelner Wert.

Ist das der offizielle BESD-Bogen?

Nein. Die Bereiche und Punktwerte folgen der PAINAD, die Beschreibungen sind eigene Formulierungen. Den offiziellen Bogen stellt die Deutsche Schmerzgesellschaft kostenlos für die nicht-kommerzielle Nutzung bereit.

Wo werden meine Messungen gespeichert?

Nur im Browser auf deinem Gerät. Es gibt kein Konto und nichts wird an einen Server gesendet. Für die Hausarztpraxis druckst du den Verlauf aus oder speicherst ihn als PDF.

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Quellen

PAINAD: Warden, Hurley, Volicer 2003. Deutsche Fassung BESD: © 2007 Matthias Schuler, Arbeitskreis Alter und Schmerz der Deutschen Schmerzgesellschaft; der Originalbogen ist für die nicht-kommerzielle Nutzung frei. Die Texte im Bogen oben sind eigene, sinngemäße Beschreibungen.

Für Angehörige: In der SchmerzTrack-App legst du für die beobachtete Person einen eigenen Schmerz an, etwa „Mama: Schmerzzeichen“, trägst die Summe auf der Skala 0 bis 10 ein und die Beobachtung in die Notiz. Eine aktive Schmerzdefinition ist kostenlos. Für weitere Personen und den PDF-Arztbericht für Hausarztpraxis oder Heim brauchst du SchmerzTrack Pro.

Dieser Beobachtungsbogen ist eine Orientierungshilfe und kein Medizinprodukt. Er ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung.