Bei einem Schmerzschub steigen deine Schmerzen deutlich über dein gewohntes Niveau und bleiben dort für Stunden oder Tage. Die Frage „Schmerzschub, was tun?“ stellst du dir meist mitten im Schub, also dann, wenn Konzentration und Geduld am knappsten sind.
Deshalb lohnt ein Plan, den du an einem guten Tag schreibst und an einem schlechten nur noch abarbeitest. Er passt auf eine Seite, hängt am Kühlschrank oder liegt als Notiz im Handy. Den zweiten Teil liefert dein Schmerztagebuch: Darin findest du heraus, was deinen Schüben vorausging, und trägst diese Frühwarnzeichen in den Plan ein.
Einen Schub erkennen
Leg vorher fest, ab wann du von einem Schub sprichst. Angenommen, deine Werte pendeln im Alltag zwischen 3 und 5. Dann könnte deine Regel lauten: Ein Schub beginnt, wenn du an zwei Tagen hintereinander 7 oder mehr einträgst oder wenn dich der Schmerz nachts wach hält. Neben der Zahl taugen Zeichen aus dem Alltag: Du sagst Verabredungen ab, kommst morgens kaum aus dem Bett oder hältst den Arbeitstag nicht durch. Nimm zwei davon in deine Regel auf. Tipps für vergleichbare Zahlen findest du in Schmerzskala 0 bis 10.
Ein Schub fühlt sich vertraut an: gleicher Ort, gleiche Art, mehr Stärke. Neue oder ungewohnte Beschwerden lässt du ärztlich abklären, bevor du sie als Schub behandelst.
Der Plan zum Ausfüllen
Schreib jeden Punkt als kurze Anweisung an dich selbst. „Wärmflasche, 20 Minuten liegen, dann Lisa anrufen“ liest du auch mit einer 8. Einen Absatz Fließtext liest du dann nicht.
- Mein Schub beginnt, wenn: ______ (zum Beispiel zwei Tage ab 7)
- Meine Frühwarnzeichen: ______ (aus dem Tagebuch, siehe unten)
- Die ersten zwei Stunden: ______ (was dir bisher geholfen hat: Wärme, eine bestimmte Lage, eine Übung aus der Physiotherapie)
- Medikamente: ______ (nur das, was deine Ärztin für Schübe mit dir vereinbart hat, mit ihren Angaben)
- Das sage ich ab oder verschiebe ich: ______
- Wer mir hilft und wobei: ______ (Name, Telefonnummer, Aufgabe wie Einkauf oder Kinder abholen)
- Das mache ich trotzdem, in kleiner Form: ______ (was du mit Ärztin oder Physiotherapeutin für Schubtage besprochen hast)
- Ich hole ärztliche Hilfe, wenn: ______ (eure vereinbarte Schwelle, etwa keine Besserung nach drei Tagen)
Geh den Plan mit deiner Ärztin oder deinem Schmerztherapeuten durch, vor allem die Punkte 4 und 8. Dosierungen trägt sie ein. Punkt 6 sprichst du mit den Menschen ab, die darauf stehen, solange es dir gut geht.
Aus deinen Daten ablesen, was Schüben vorausging
Frühwarnzeichen findest du selten aus dem Gedächtnis. Im Schub erinnerst du dich an den Schmerz, die Tage davor verschwimmen. Mit einem Tagebuch gehst du so vor:
- Markiere den ersten Tag jedes Schubs.
- Lies für jeden Schub die drei Tage davor: Schlaf, körperliche Belastung, Stress, besondere Termine. Schreib auf, was auffällt.
- Nach drei oder vier Schüben legst du die Listen nebeneinander. Taucht etwas vor den meisten Schüben auf, ist es ein Kandidat.
- Mach die Gegenprobe an Tagen, auf die kein Schub folgte. Schläfst du vor jedem Schub schlecht, aber auch in jeder zweiten normalen Woche, taugt schlechter Schlaf wenig als Warnzeichen.
Ein bekanntes Muster heißt „Boom and Bust“: An einem guten Tag holst du alles nach, ein bis zwei Tage später kommt der Schub. Zeigt dein Tagebuch dieses Muster, hilft dir Pacing mit Tagebuch. Mehr zur Methode hinter Schritt 4 steht in Schmerzauslöser finden. Die Grundlagen des Tagebuchs findest du in Schmerztagebuch richtig führen.
So bildest du das in SchmerzTrack ab
- Den Schubbeginn markierst du unter Mehr → Ereignisse mit einem Ereignis der Art „Sonstiges“ und der Bezeichnung „Schub“. Im Tagebuch zeigt dir der Filter Ereignisse alle Schübe, unter Alle siehst du die Tage davor.
- Begleitumstände setzt du im Eintrag über „+ Tags hinzufügen“, etwa „habe schlecht geschlafen“, „bin gestresst“ oder „habe schwer gehoben“. Eigene Tags legst du unter Mehr → Tags an.
- In der Notiz hältst du fest, was im Schub geholfen hat.
Das alles ist kostenlos. Mit Pro vergleicht die Auslöser-Analyse über 180 Tage deine Werte an Einträgen mit und ohne einen Tag. Sie braucht mindestens 12 Einträge, davon je 4 mit und ohne den Tag. Verzögerte Effekte über mehrere Tage prüfst du weiter selbst im Tagebuch. Ein Hinweis: Die Ereignis-Auswertung (Pro) vergleicht bis zu 28 Tage vor und nach einem Ereignis, und ein Schub-Ereignis kurz nach einem Therapiebeginn verkürzt diesen Vergleich.
Nach dem Schub: den Plan nachschärfen
Ein paar Tage nach dem Schub, wenn der Kopf wieder frei ist, beantwortest du drei Fragen in der Notiz: Was hat geholfen, was nicht, und wie lange hat der Schub gedauert? Ändere den Plan, solange du dich erinnerst: Streich Punkte, die im Schub nicht funktioniert haben, und ergänze, was dir unterwegs eingefallen ist und geholfen hat.
Für deine Ärztin zählen Häufigkeit und Dauer. „Drei Schübe in zwei Monaten, je vier bis sechs Tage, zweimal nach langen Autofahrten“ ist ein Beispiel für einen Satz, mit dem sie arbeiten kann.
Manche Zeichen gehören in keinen Schubplan. Bei neuer Taubheit oder Lähmung, Fieber, Problemen beim Wasserlassen oder Stuhlgang, Brustschmerz oder Schmerzen nach einem Sturz suchst du sofort ärztliche Hilfe. Außerhalb der Sprechzeiten erreichst du in Deutschland den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, im Notfall wählst du die 112.
Häufige Fragen
Was tun bei einem akuten Schmerzschub? Nimm deinen Plan und arbeite die ersten Schritte ab, die sich bei dir bewährt haben. Medikamente nimmst du so, wie du es mit deiner Ärztin vereinbart hast. Fühlt sich der Schub anders an als sonst, holst du ärztlichen Rat.
Wie lange dauert ein Schmerzschub? Das reicht je nach Erkrankung von Stunden bis zu Wochen. Dein Tagebuch zeigt dir deine typische Dauer. Weicht ein Schub deutlich davon ab, sprich mit deiner Ärztin.
Soll ich während eines Schubs weiter Tagebuch führen? Ja, in der kleinsten Form: eine Zahl pro Tag genügt. Fehlen die schlimmsten Tage, wirkt dein Verlauf später besser, als er war.
Woran erkenne ich einen Schub früh? An Frühwarnzeichen, die du aus deinen eigenen Daten abliest. Häufige Kandidaten sind schlechter Schlaf, ungewohnte Belastung oder Stress in den Tagen davor, bestätigen muss sie aber deine Gegenprobe.
SchmerzTrack ist kein Medizinprodukt und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Die App dient der persönlichen Dokumentation und Selbstbeobachtung.