Schmerztherapie: Wirkung prüfen mit einem fairen Vorher-Nachher

2026-10-23 Schmerztherapie Schmerztagebuch Behandlung Arztgespräch

Seit drei Wochen gehst du zur Physiotherapie oder nimmst ein neues Medikament. Beim nächsten Termin fragt deine Ärztin: „Hat es etwas gebracht?" Du antwortest „Ich glaube, ein bisschen", und auf dieser Grundlage entscheidet ihr, ob die Behandlung weiterläuft. Die Wirkung deiner Schmerztherapie prüfst du mit einem Tagebuch genauer als aus der Erinnerung.

Dafür brauchst du einen Ausgangswert vor dem Start und einen gleich langen Zeitraum danach. Dazu kommen Angaben zu deinem Alltag, denn eine Therapie kann wirken, ohne dass die Zahl auf der Skala stark sinkt. Die Grundlagen zum Aufbau stehen im Leitfaden zum Schmerztagebuch.

Die Erinnerung verzerrt den Vergleich

Drei Fallen machen den Rückblick unzuverlässig:

  • Letzte Tage zählen doppelt. Vor dem Termin erinnerst du dich vor allem an die schlimmsten Tage und an die letzte Woche. Drei gute Wochen davor verblassen.
  • Rückkehr zur Mitte. Eine Behandlung beginnst du meist, wenn es dir besonders schlecht geht. Schmerzen schwanken, und auf ein Tief folgen oft bessere Wochen, auch ohne Behandlung. Ohne Ausgangswert schreibst du diese Besserung der Therapie zu.
  • Mehrere Änderungen zugleich. Neue Tabletten, zwei Wochen Urlaub und weniger Überstunden: Hinterher weißt du nicht, was den Unterschied gemacht hat.

Mit Aufzeichnungen entschärfst du alle drei Fallen, solange du vor und nach dem Start gleich misst.

Der Ausgangswert vor dem Start

Fang mit dem Tagebuch an, sobald die Behandlung feststeht. Zwei Wochen Ausgangslage sind ein brauchbares Minimum, mit vier Wochen siehst du auch Schwankungen innerhalb eines Monats.

Halte die Messregeln über den ganzen Zeitraum gleich:

  • Dieselbe Skala, meist 0 bis 10. Vergleichbare Werte erklärt der Artikel Schmerzskala 0 bis 10.
  • Dieselbe Tageszeit, zum Beispiel jeden Abend um 20 Uhr.
  • Dieselbe Häufigkeit. Trägst du vorher einmal am Tag ein und danach dreimal, vergleichst du zwei verschiedene Dinge.

Notiere auch, was du bisher gegen den Schmerz tust, etwa Wärme, Bewegung oder ein Bedarfsmedikament. Ändert sich das nach dem Start, gehört es in den Vergleich.

Läuft die Behandlung schon, frag nach, ab wann eine Wirkung zu erwarten ist. Die Tage bis zu diesem Zeitpunkt nutzt du als Ausgangslage, auch wenn sie schon nach dem Start liegen.

Stärke und Funktion vergleichen

Die Forschungsinitiative IMMPACT empfiehlt für Studien zu chronischen Schmerzen, neben der Schmerzstärke auch die körperliche Funktion, die emotionale Verfassung und das eigene Urteil über die Veränderung zu erfassen. Für dein Tagebuch heißt das:

Messgröße Beispiel
Ø Intensität Mittelwert je Zeitraum auf der Skala 0 bis 10
Schmerzfreie Tage Zahl der Tage mit 0
Funktion „20 Minuten gegangen", „Treppe ohne Pause", „ganzen Arbeitstag geschafft"
Schlaf durchgeschlafen ja oder nein
Bedarfsmedikation Tage mit Einnahme
Nebenwirkungen Müdigkeit, Übelkeit oder Schwindel als Notiz

Wähle ein oder zwei Funktionsziele, die dir im Alltag fehlen, und notiere sie jeden Tag gleich. „Einkauf allein getragen" lässt sich nach vier Wochen zählen, „ging so" nicht.

Als Orientierung aus der Forschung: In einer Auswertung von Farrar und Kollegen (Fachzeitschrift Pain, 2001) entsprach eine Senkung um rund zwei Punkte oder 30 Prozent auf der Skala 0 bis 10 dem, was die Patientinnen und Patienten als deutliche Besserung beschrieben. Das ist kein Zielwert für dich. Eine kleinere Senkung kann viel bedeuten, wenn du wieder durchschläfst oder arbeiten kannst.

Checkliste für den Vergleich

Angenommen, du beginnst am 1. März mit Physiotherapie. Du vergleichst die vier Wochen vor dem 1. März mit vier Wochen danach. Mit dieser Checkliste bleibt der Vergleich fair:

  • [ ] Beide Zeiträume sind gleich lang.
  • [ ] Du hast in beiden an ähnlich vielen Tagen eingetragen.
  • [ ] Jede andere größere Änderung hat ein eigenes Datum im Tagebuch.
  • [ ] Ausreißer wie einen Infekt oder einen Umzug hast du notiert, statt sie zu streichen.
  • [ ] Neben dem Mittelwert vergleichst du die Funktionsziele.

Fällt der Unterschied klein aus, schreib weiter und vergleich nach einem weiteren Monat noch einmal, bevor du dir ein Urteil bildest.

So bildet SchmerzTrack das ab

In der kostenlosen Version legst du ein Ereignis an, Art „Therapie begonnen" oder „Medikament gewechselt", mit einer Bezeichnung wie „Physio zweimal pro Woche". Im Verlauf erscheint es als gestrichelte senkrechte Linie. Der Wochentrend vergleicht die letzten sieben Tage mit der Vorwoche und mit der Woche vor vier Wochen. Bei Bedarfsmedikamenten fragt die „Nachfrage zur Wirkung" nach 1, 2 oder 4 Stunden, wie es dir geht. Funktionsziele führst du als eigenen Tag, etwa „Treppe ohne Pause".

Mit SchmerzTrack Pro rechnet die Ansicht „Ereignisse" der Karte „Erkenntnisse" den Vorher/Nachher-Vergleich: bis zu 28 Tage vor dem Ereignis gegen bis zu 28 Tage danach. Jede Seite braucht mindestens 14 Tage und 3 Einträge an 3 verschiedenen Tagen. Ein Nachbarereignis kürzt das Fenster, und die App nennt die tatsächlich verglichene Länge. Der Wirkverlauf zeigt deine Intensität vor und nach den Einnahmen eines Medikaments. Der PDF-Arztbericht führt die Ereignisse mit Vorher/Nachher-Vergleich auf, wie im Beispielbericht. Mehr zur Besprechung im Termin steht in Arztgespräch vorbereiten.

Nicht auf die Auswertung warten

Melde dich zeitnah ärztlich bei neuen oder starken Nebenwirkungen, bei deutlich stärkeren Schmerzen und bei neuen Beschwerden wie Taubheit, Lähmungen oder Fieber. Setze ein Medikament nicht auf eigene Faust ab und ändere keine Dosis, auch wenn deine Auswertung keine Wirkung zeigt. Das Ergebnis besprichst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis eine Schmerztherapie wirkt? Das hängt von der Behandlung ab und reicht von Stunden bis zu Wochen. Frag beim Start, ab wann eine Wirkung zu erwarten ist, und lege den Vergleichszeitraum danach fest.

Was mache ich, wenn ich keinen Ausgangswert habe? Trag ab heute ein. Alte Notizen, Kalender oder Krankmeldungen geben dir grobe Anhaltspunkte für die Zeit davor. Bei der nächsten Änderung, etwa einer neuen Dosis, hast du dann einen Ausgangswert. Bis dahin vergleichst du spätere Monate untereinander.

Ab wann gilt eine Schmerztherapie als wirksam? Eine feste Grenze für dich gibt es nicht. Studien nutzen oft eine Senkung um 30 Prozent als Orientierung. Für die Entscheidung zählt mit, ob du im Alltag mehr schaffst, und die triffst du gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Kann ich zwei Behandlungen gleichzeitig prüfen? Starten beide am selben Tag, lassen sich ihre Anteile nicht trennen. Lege für jede Änderung ein eigenes Ereignis an und frag in der Praxis, ob ein zeitversetzter Start möglich ist.


SchmerzTrack ist kein Medizinprodukt und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Die App dient der persönlichen Dokumentation und Selbstbeobachtung.