Schmerzen beschreiben: stechend, dumpf, brennend und was der Arzt hört

2026-10-03 Schmerzen beschreiben Arztgespräch Schmerzarten Schmerztagebuch

Im Sprechzimmer bleiben dir oft nur wenige Minuten, um Schmerzen zu beschreiben, die dich seit Wochen begleiten. „Tut halt weh" gibt deiner Ärztin wenig in die Hand. „Brennt an der rechten Fußsohle, nachts schlimmer, seit drei Monaten" gibt ihr eine Richtung für die nächsten Fragen und oft auch für die Untersuchung.

Die Art des Schmerzes ist eine Angabe mit Gewicht. Ein gereizter Nerv fühlt sich anders an als ein verspannter Muskel, ein verkrampfter Darm anders als ein entzündetes Gelenk. Deshalb fragen Ärztinnen und Ärzte nach dem Charakter, bevor sie über Ursachen sprechen. Mit einem Wort stellt niemand eine Diagnose, aber deine Ärztin grenzt damit ein, wo sie weitersucht.

Die Wortliste mit Alltagsbeispielen

Die Tabelle nennt sieben gängige Begriffe, je mit einem Bild aus dem Alltag und der Richtung, in die deine Ärztin danach meist fragt.

Wort Alltagsbild Worauf die Ärztin dann achtet
stechend wie eine Nadel oder ein Splitter, die Stelle lässt sich mit einem Finger zeigen eng umgrenzter Ort; sie fragt, ob Bewegung oder Atmen den Stich auslöst
dumpf wie ein tiefer Bluterguss, schwer zu lokalisieren eher tiefliegende Strukturen wie Muskeln, Knochen oder innere Organe
brennend wie Sonnenbrand oder heißes Wasser auf der Haut mögliche Beteiligung von Nerven; sie fragt nach Taubheit und Kribbeln
krampfartig wie ein Wadenkrampf oder Regelschmerzen, kommt in Wellen Muskeln oder Hohlorgane wie Darm, Gallenwege oder Gebärmutter
ziehend wie eine gespannte Saite, oft entlang einer Linie Muskeln und Sehnen, oder ein Schmerz, der vom Rücken ins Bein ausstrahlt
drückend wie ein zu enges Band oder ein Gewicht auf der Stelle am Kopf häufig bei Spannungskopfschmerz beschrieben, an der Brust ein Grund für sofortige Abklärung
pochend im Takt des Pulses, wie ein Daumen nach dem Hammerschlag Entzündungen; auch Migräne schildern viele als pochend

Zwei weitere Wörter verraten viel: einschießend oder elektrisierend, wie der Schlag am Musikantenknochen, und kribbelnd, wie Ameisen unter der Haut. Beide lenken den Blick auf die Nerven. Fragebögen zu Nervenschmerzen wie painDETECT fragen nach diesen Empfindungen. Mehr dazu steht in Nervenschmerzen dokumentieren.

Nimm höchstens zwei Wörter pro Schmerz und bleib bei ihnen. Schreibst du heute „ziehend" und nächste Woche „reißend" für dasselbe Gefühl, liest du im Rückblick eine Veränderung heraus, die es nie gab. Ändert sich der Charakter über die Wochen, etwa von dumpf zu brennend, gehört das in deine Schilderung.

Fünf Angaben in fester Reihenfolge

Im Termin vergisst du vor Aufregung leicht die Hälfte. Mit einer festen Reihenfolge passiert das seltener, und deine Ärztin hört die Angaben in der Ordnung, in der sie selbst fragen würde:

  1. Ort. Ein Finger reicht, um die Stelle zu zeigen, oder du brauchst die ganze Hand. Dazu die Körperseite und, falls der Schmerz ausstrahlt, wohin.
  2. Art. Ein oder zwei Wörter aus der Tabelle.
  3. Stärke. Eine Zahl von 0 bis 10, dazu dein üblicher Wert und der Spitzenwert. Wie du die Zahlen vergleichbar hältst, erklärt der Artikel zur Schmerzskala von 0 bis 10.
  4. Dauer. Sekunden, Stunden oder Dauerschmerz, dazu die Tageszeit, zu der er am stärksten ist.
  5. Verlauf. Seit wann er besteht, ob er besser oder schlechter wird und was ihn auslöst oder lindert.

Ein Beispiel, angenommen, die Wade macht dir Probleme: „Rechte Wade, außen. Ziehend, ab und zu einschießend. Meist eine 4, nach langem Stehen eine 7. Hält Stunden an, abends am schlimmsten. Seit sechs Wochen, Hochlegen hilft etwas." Diese Schilderung dauert keine zwanzig Sekunden und enthält alle fünf Angaben.

Halte Stärke und Art auseinander. „Stark" beschreibt die Zahl, „stechend" das Gefühl. Vermischst du beides, bleibt offen, ob du einen heftigen dumpfen Schmerz meinst oder einen leichten stechenden.

Bilder und Folgen, wenn dir die Wörter fehlen

Manche Schmerzen passen in keine Kategorie. Dann hilft ein Vergleich aus deinem Leben: „wie ein Gummiband um die Stirn", „wie Sand im Kniegelenk", „wie Muskelkater, ohne Sport gemacht zu haben". Deine Ärztin übersetzt solche Bilder in Fachbegriffe, das gehört zu ihrer Arbeit.

Mindestens so viel sagt, was der Schmerz dir nimmt. Nenne konkrete Tätigkeiten: „Die Treppe in den dritten Stock schaffe ich nur mit Pause", „Nach 20 Minuten Sitzen muss ich aufstehen", „Ich wache zwei- bis dreimal pro Nacht auf". Solche Sätze kannst du nach einigen Wochen wieder prüfen, und sie zeigen, ob eine Behandlung etwas verändert hat.

Sei vorsichtig mit Superlativen. „Unerträglich" passt schlecht zu jemandem, der ruhig auf dem Stuhl sitzt, und lässt deine übrigen Angaben schwächer wirken. Eine Zahl mit Beispiel trägt mehr: „Eine 8, ich musste mich hinlegen."

Bei manchen Beschreibungen wartest du keinen Termin ab: ein plötzlich einsetzender, heftigster Kopfschmerz, ein drückender Brustschmerz, der in Arm, Kiefer oder Rücken zieht, oder Schmerzen mit Lähmung, Atemnot oder hohem Fieber. Dann wählst du den Notruf 112.

So hältst du es in SchmerzTrack fest

In SchmerzTrack ist die Schmerzart ein Tag am Eintrag. Unter „+ Tags hinzufügen" findest du die sieben Wörter aus der Tabelle: stechend, dumpf, brennend, krampfartig, ziehend, drückend und pochend. Du kannst auch zwei davon setzen.

Den Ort legst du einmal bei der Schmerzdefinition fest, auf einer Figur mit Vorder- und Rückseite und rund 50 Regionen, links und rechts getrennt. Jeder Eintrag übernimmt diese Stelle. Sitzt der Schmerz heute woanders, änderst du sie im Eintrag über „+ Stelle hinzufügen". Bilder wie das Gummiband und Alltagsfolgen schreibst du unter „+ Notiz hinzufügen".

Das alles ist kostenlos, ebenso die Körperkarte in der Auswertung für die letzten 7 und 30 Tage. Mit Pro siehst du die Körperkarte über 90 Tage und gesamt, die Auslöser-Analyse zeigt unter „Schmerzarten", bei welcher Art deine Werte höher liegen, und der PDF-Arztbericht listet deine Einträge mit Tags und Notizen. Wie das aussieht, zeigt der Beispielbericht. Den Aufbau eines Tagebuchs insgesamt erklärt der Leitfaden zum Schmerztagebuch.

Häufige Fragen

Wie beschreibe ich meine Schmerzen beim Arzt am besten? Erzähl in fester Reihenfolge: Ort, Art, Stärke, Dauer, Verlauf. Für die Art reichen ein oder zwei Wörter, für die Stärke eine Zahl von 0 bis 10 mit Beispiel. Weitere Tipps für den Termin findest du unter Arztgespräch vorbereiten.

Was ist der Unterschied zwischen stechenden und brennenden Schmerzen? Ein stechender Schmerz sitzt punktförmig und kommt oft kurz, wie ein Nadelstich. Ein brennender fühlt sich flächiger an, wie Sonnenbrand, und hält meist länger an. Bei Brennen denken Ärztinnen eher an eine Beteiligung der Nerven.

Was mache ich, wenn sich der Schmerz jeden Tag anders anfühlt? Schreib ihn so auf, wie er sich an diesem Tag anfühlt. Ein wechselnder Charakter ist selbst eine Information. Nimm dabei für dasselbe Gefühl immer dasselbe Wort.

Muss ich Fachbegriffe kennen, um Schmerzen zu beschreiben? Nein. Alltagswörter und Vergleiche reichen, die Übersetzung in Fachsprache übernimmt deine Ärztin. Eine genaue und gleichbleibende Beschreibung bringt mehr als ein lateinischer Begriff.


SchmerzTrack ist kein Medizinprodukt und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Die App dient der persönlichen Dokumentation und Selbstbeobachtung.