Akute und chronische Schmerzen: Ab wann Schmerzen chronisch sind

2026-10-03 Chronische Schmerzen Akute Schmerzen Schmerztagebuch Arztgespräch

Akute und chronische Schmerzen trennt zuerst die Dauer. Die Internationale Schmerzgesellschaft IASP und die Weltgesundheitsorganisation in ihrer Klassifikation ICD-11 nennen Schmerzen chronisch, wenn sie länger als drei Monate anhalten oder in dieser Zeit immer wiederkehren. In älteren Texten findest du teils sechs Monate.

Die drei Monate sind eine Zeitmarke aus der Klassifikation. Für dich zählen die Wochen davor: In dieser Zeit sammelst du die Angaben, mit denen deine Ärztin oder dein Arzt später einschätzt, ob ein Schmerz abklingt, gleich bleibt oder in Schüben zurückkommt.

Akuter Schmerz: ein Warnsignal mit Anlass

Akuter Schmerz beginnt mit einem Anlass, etwa einer Verstauchung, einer Zahnbehandlung, einer Entzündung oder einer Operation. Er bringt dich dazu, die betroffene Stelle zu schonen, und er lässt nach, während das Gewebe heilt. Nach einer Zerrung rechnest du mit Tagen bis wenigen Wochen, nach einer Operation je nach Eingriff mit länger. Notier in dieser Phase, wann der Schmerz einsetzt und wodurch er stärker wird, zum Beispiel beim Auftreten oder Bücken.

Bleibt der Schmerz deutlich länger als die erwartete Heilungszeit, ist das ein Grund für einen Arzttermin. Auf die Drei-Monats-Grenze musst du dafür nicht warten.

Chronischer Schmerz: länger als drei Monate

Die ICD-11 unterscheidet zwei Gruppen. Chronisch primäre Schmerzen gelten als eigene Erkrankung, ein Beispiel ist die Fibromyalgie. Chronisch sekundäre Schmerzen folgen aus einer anderen Erkrankung oder Verletzung, etwa nach einer Operation, bei einer Krebserkrankung oder bei einer Nervenschädigung.

Chronisch schließt Schmerzen ein, die kommen und gehen. Migräne mit Attacken über Jahre oder Rückenschmerzen, die alle paar Wochen wiederkommen, fallen ebenfalls unter die Definition. Bei lange anhaltenden Schmerzen kann das Nervensystem außerdem empfindlicher auf Reize reagieren, und Schlaf, Stimmung und Arbeit leiden mit.

Akut Chronisch
Dauer bis zur Heilung, meist Tage bis Wochen länger als drei Monate, anhaltend oder wiederkehrend
Bezug zum Anlass klar erkennbar teils unklar oder längst ausgeheilt
Verlauf nimmt ab gleichbleibend, in Schüben oder schwankend
Wichtigste Notiz fällt der Wert von Woche zu Woche? Alltagsfolgen, Muster, Wirkung von Behandlungen

Die ersten drei Monate festhalten

Fang mit dem Tagebuch an, solange der Schmerz neu ist. Deine Ärztin kann später nur mit dem arbeiten, was du in dieser Phase notiert hast. Diese Punkte reichen:

  • [ ] Beginn: Datum und Anlass, etwa „Sturz auf der Treppe" oder „ohne erkennbaren Grund"
  • [ ] Ein Wert pro Tag auf einer festen Skala, auch 0 an schmerzfreien Tagen. Wie du zu vergleichbaren Zahlen kommst, steht unter Schmerzskala 0 bis 10
  • [ ] Ort: bleibt der Schmerz an einer Stelle, wandert er, breitet er sich aus?
  • [ ] Alltagsfolgen: Schlaf, Arbeit, Gehstrecke, Treppe
  • [ ] Behandlungen mit Startdatum: Medikament, Physiotherapie, Operation
  • [ ] Medikamente mit Uhrzeit und Wirkung

Angenommen, du hast dir im Juni beim Umzug den Rücken verhoben. In der ersten Woche liegt dein Schnitt bei 6, in der vierten bei 3, in der achten bei 1 mit vielen Nullen. Das ist ein abklingender Verlauf. Liegt der Schnitt in Woche acht noch bei 5, siehst du das schwarz auf weiß und sprichst es an, bevor die drei Monate um sind.

Mehr zum Aufbau steht in der Anleitung zum Schmerztagebuch führen.

Den Verlauf lesen

Nach einigen Wochen erkennst du in deinen Einträgen eines von drei Mustern:

  1. Abklingend: Die Wochenschnitte sinken, die schmerzfreien Tage werden mehr.
  2. Gleichbleibend: Die Werte pendeln auf einem Niveau, Woche für Woche.
  3. Wiederkehrend: Gute Wochen wechseln mit Schüben. Notier bei einem Schub, was in den Tagen davor los war, etwa ungewohnte Belastung oder wenig Schlaf.

Vergleich Wochen und Monate miteinander, einzelne Tage sagen wenig. Zähl außerdem, wie viele Tage im Monat betroffen waren. Mit dieser Zahl kann deine Ärztin mehr anfangen als mit dem höchsten Wert.

Akute und chronische Schmerzen in SchmerzTrack

Leg den Schmerz als Schmerzdefinition an und trag täglich einen Wert ein, an guten Tagen eine 0. Den Beginn, eine Operation oder den Start einer Therapie markierst du als Ereignis, das geht auch in der kostenlosen Version.

  • Kostenlos: der Verlauf auf der Seite Auswertung über 7 und 30 Tage, die Körperkarte als Heatmap über 7 und 30 Tage, Ereignis-Marker, Wochentrend, Erinnerungen. Das Tagebuch zeigt die letzten drei Monate, ältere Einträge bleiben gespeichert.
  • Pro: Verlauf und Körperkarte über 90 Tage und „Gesamt", und damit über die ganze Drei-Monats-Spanne. Dazu Monatsberichte mit dokumentierten und schmerzfreien Tagen, Durchschnitt, Minimum, Maximum und der Veränderung zum Vormonat, und der PDF-Arztbericht.

Auf der Körperkarte siehst du, ob sich ein Schmerz von einer Stelle auf weitere ausbreitet. In den Monatsberichten legst du drei Monate nebeneinander.

Mit drei Monaten Daten zum Termin

Bring zum Termin für jeden Monat die betroffenen Tage, den Durchschnitt und die Alltagsfolgen mit, dazu das Datum jeder Behandlung. Wie du den Termin vorbereitest, beschreibt Arztgespräch bei Schmerzen vorbereiten. Schreib dir vorher auf, was du dir von dem Termin erhoffst, etwa eine Abklärung der Ursache oder eine Überweisung. Mit dieser Frage auf dem Zettel lenkst du das Gespräch, auch wenn die Zeit knapp ist. Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis. Bei Schmerzen über Monate kommt eine Praxis mit spezieller Schmerztherapie oder eine Schmerzambulanz infrage, mehr dazu unter Schmerztherapeut oder Hausarzt.

Ruf den Notruf 112 oder geh sofort zum Arzt bei plötzlich einsetzenden, sehr starken Schmerzen, bei Brustschmerz mit Atemnot, bei Schmerzen mit hohem Fieber, bei Lähmungen oder Taubheit und nach einem Unfall.

Häufige Fragen

Ab wann gelten Schmerzen als chronisch? Nach der Definition von IASP und ICD-11 ab einer Dauer von mehr als drei Monaten, anhaltend oder wiederkehrend. Die Einordnung im Einzelfall trifft deine Ärztin oder dein Arzt.

Kann aus akuten Schmerzen ein chronischer Schmerz werden? Ja, ein akuter Schmerz kann über die Heilungszeit hinaus bestehen bleiben. Hält er länger an als erwartet, sprich das früh an und bring deine Aufzeichnungen mit.

Sind chronische Schmerzen immer da? Nein. Auch Schmerzen, die über Monate in Attacken oder Schüben wiederkommen, gelten als chronisch, etwa bei Migräne.

Muss ich drei Monate warten, bevor ich zum Arzt gehe? Nein. Die drei Monate stammen aus einer Definition und legen keine Wartezeit fest. Bei starken, ungewöhnlichen oder anhaltenden Schmerzen gehst du früher.


SchmerzTrack ist kein Medizinprodukt und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Die App dient der persönlichen Dokumentation und Selbstbeobachtung.