Schmerztagebuch-App auswählen: 9 Kriterien, die im Alltag zählen

2026-10-14 Schmerztagebuch App-Vergleich Datenschutz DiGA

Wer „beste Schmerztagebuch-App" sucht, findet vor allem Ranglisten, die sich gegenseitig abschreiben. Das Problem daran ist nicht die Reihenfolge, sondern die Fragestellung: Welche App die richtige ist, hängt davon ab, was du dokumentieren willst und wie viel Aufwand du dauerhaft aufbringst - und nicht davon, welche Funktionen sich am besten aufzählen lassen.

Dieser Beitrag ist deshalb kein Test. Er liefert ein Prüfraster mit neun Kriterien, das du auf jede App anwenden kannst. Am Ende ordnen wir SchmerzTrack darin offen ein - einschließlich der Punkte, an denen die App nicht die richtige Wahl ist.

Die neun Kriterien

1. Wie lange dauert ein Eintrag?

Das mit Abstand wichtigste Kriterium, und das am seltensten genannte. Eine App, die pro Eintrag zwölf Pflichtfelder verlangt, liefert nach drei Wochen gar keine Daten mehr. Prüfe: Wie viele Tipps braucht ein minimaler Eintrag? Geht es aus der Benachrichtigung heraus direkt in die Eingabe?

Die Faustregel: Unter 30 Sekunden, sonst schläft es ein. Alles Weitere sollte optional bleiben.

2. Kannst du festlegen, was du trackst?

Manche Apps geben feste Kategorien vor, andere lassen dich eigene Beschwerden anlegen. Vorgaben sind bequem, solange deine Beschwerde dabei ist - und unbrauchbar, sobald sie es nicht ist. Frei benennbare Einträge mit eigener Farbe sind flexibler, gerade wenn mehrere Beschwerden nebeneinander laufen.

Wichtig ist außerdem, dass sich Beschwerden getrennt erfassen lassen. Wer Migräne und Rückenschmerz in eine Kurve wirft, kann sie später nicht mehr auseinandersortieren.

3. Passt die Skala zur Beschwerde?

Nicht alles lässt sich sinnvoll von 0 bis 10 bewerten. Für Beschwerden, die entweder da sind oder nicht, ist Ja/Nein die passendere Form; für grobe Einordnungen reicht leicht/mittel/stark. Eine App, die nur eine einzige Skala kennt, zwingt dich in eine Genauigkeit, die du entweder nicht brauchst oder nicht leisten kannst. Mehr dazu in Schmerzskala 0 bis 10 richtig einschätzen.

4. Was macht die App aus den Daten?

Erfassen kann jede App. Der Unterschied liegt in der Auswertung: Gibt es einen Verlauf über mehrere Wochen? Lassen sich mehrere Beschwerden gemeinsam darstellen? Siehst du, an wie vielen Tagen im Monat du betroffen warst?

Genau daran scheitern Papier und Tabelle - und genau dafür lohnt sich der Umstieg überhaupt erst. Wenn eine App nur Listen zeigt, hast du ein digitales Notizbuch gekauft, kein Auswertungswerkzeug.

5. Kommst du an deine Daten heran?

Zwei getrennte Fragen: Gibt es einen Bericht für die Sprechstunde - also eine lesbare Zusammenfassung als PDF? Und gibt es einen Export der Rohdaten, mit dem du beim Gerätewechsel alles mitnehmen kannst?

Fehlt beides, sind deine Aufzeichnungen an ein einzelnes Telefon gebunden. Das ist bei Daten, die du über Jahre sammelst, ein ernstes Risiko.

6. Erinnern die Benachrichtigungen sinnvoll?

Eine Erinnerung, die auch an Tagen kommt, an denen du längst eingetragen hast, wird nach zwei Wochen weggewischt. Achte auf frei wählbare Uhrzeiten, wählbare Wochentage und darauf, dass die Erinnerung ausbleibt, wenn der Eintrag schon steht.

7. Wo liegen deine Daten?

Schmerzaufzeichnungen sind Gesundheitsdaten und damit besonders schutzwürdig. Die entscheidende Frage lautet: Verlassen sie dein Gerät?

Warnsignale sind ein Kontozwang ohne erkennbaren Grund, eine Cloud-Speicherung ohne Wahlmöglichkeit, Werbung oder Analyse-Bausteine in einer Gesundheits-App sowie eine Datenschutzerklärung, die die Weitergabe an „Partner" offenlässt. Eine App, die vollständig lokal arbeitet, kann diese Fragen gar nicht erst aufwerfen.

8. Was kostet sie wirklich?

Üblich sind kostenlose Grundversionen mit Abo-Erweiterung. Prüfe, welche Funktion hinter der Bezahlschranke liegt - und ob das eine ist, die du brauchst. Wenn schon das Eintragen begrenzt ist, ist die Gratisversion nur eine Demo. Achte auch darauf, ob es neben dem Abo einen Einmalkauf gibt, wenn dich wiederkehrende Kosten stören.

9. Ist es ein Medizinprodukt oder eine Selbstdokumentation?

Hier trennen sich zwei Kategorien, die oft vermischt werden:

  • Eine DiGA („App auf Rezept") ist ein geprüftes Medizinprodukt, wird ärztlich verordnet und von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Der Zugang läuft über Verordnung oder Kasse, der Funktionsumfang ist auf den geprüften Zweck festgelegt.
  • Eine Selbstdokumentations-App ist ein Werkzeug für dich. Sie stellt keine Diagnose, gibt keine Therapie vor und wird nicht erstattet - dafür kannst du sie sofort und ohne Umweg nutzen.

Beides schließt sich nicht aus. Wenn du auf einen Termin oder eine Verordnung wartest, ist die eigene Dokumentation genau die Vorarbeit, die diesen Termin nützlicher macht.

Spezialisiert oder indikationsübergreifend?

Für einzelne Beschwerdebilder gibt es sehr gute spezialisierte Werkzeuge - im Kopfschmerzbereich etwa den kostenlosen Kopfschmerzkalender der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, der genau auf Kopfschmerz- und Schmerzmitteltage zugeschnitten ist. Wenn du ausschließlich diese eine Beschwerde dokumentierst, ist ein spezialisiertes Werkzeug oft die passgenauere Wahl.

Sobald mehrere Beschwerden nebeneinander laufen - Migräne und Rücken, Gelenke und Erschöpfung -, brauchst du dagegen etwas, das sie gemeinsam darstellen kann.

Wo SchmerzTrack in diesem Raster steht

Damit du es einordnen kannst, hier die ehrliche Antwort auf die neun Punkte:

Kriterium SchmerzTrack
Eintragsdauer Kern ist ein Tipp auf die Intensität; Notiz und Tags sind optional
Eigene Beschwerden frei benannte Schmerzdefinitionen mit Farbe (Free: 1 aktive, Pro: unbegrenzt)
Skalen 0–10, Ja/Nein, Leicht/Mittel/Stark - alle drei auch in Free
Auswertung Verlaufsdiagramm 7/30 Tage (Free), 90 Tage und Gesamt mit Pro; Wochen-Trends, Aktivitäts-Heatmap
Bericht und Export PDF-Arztbericht und .strack-Export/Import mit Pro
Erinnerungen mehrere Uhrzeiten, wählbare Wochentage, entfällt bei vorhandenem Eintrag
Daten verschlüsselt auf dem Gerät, kein Konto, kein Server; optional Face ID / Touch ID
Kosten Download kostenlos, Pro als Abo oder Einmalkauf
Einordnung Selbstdokumentation - kein Medizinprodukt, keine DiGA, keine Kassenleistung

Und die Punkte, an denen SchmerzTrack nicht passt:

  • Es gibt die App nur für iOS. Für Android brauchst du eine Alternative.
  • Es gibt keine Körperkarte zum Einzeichnen der Schmerzstelle - der Ort gehört in den Namen der Schmerzdefinition oder in die Notiz.
  • Es gibt kein eigenes Medikamentenfeld. Präparat, Dosis und Wirkung notierst du in der freien Notiz, am besten in einer festen Schreibweise.
  • Es gibt kein Zyklustracking und keine automatische Wetteranbindung.
  • Ein Import aus Excel oder CSV ist nicht vorgesehen; übertragen lässt sich nur das eigene .strack-Format.

Wenn einer dieser Punkte für dich zentral ist, ist eine andere App die bessere Wahl - und das ist völlig in Ordnung. Ein Werkzeug, das zu 80 Prozent passt und benutzt wird, ist mehr wert als eines, das alles kann und nach drei Wochen liegen bleibt.

Häufige Fragen

Zahlt die Krankenkasse eine Schmerztagebuch-App? Nur bei einer DiGA, also einer als Medizinprodukt geprüften und verordnungsfähigen Anwendung. Normale Selbstdokumentations-Apps wie SchmerzTrack werden nicht erstattet.

Ist SchmerzTrack eine DiGA? Nein. SchmerzTrack ist kein Medizinprodukt und nicht verordnungsfähig. Die App dient der persönlichen Dokumentation und ersetzt keine Diagnose oder Behandlung.

Gibt es SchmerzTrack für Android? Derzeit nicht. Die App ist für iPhone und iPad verfügbar.

Was kostet SchmerzTrack? Der Download ist kostenlos. Dauerhaft kostenlos enthalten sind eine aktive Schmerzdefinition, alle drei Skalen, Einträge mit Tags und Notizen, Charts über 7 und 30 Tage, zwei Wochen-Trend-Karten, die Heatmap und Erinnerungen. Für unbegrenzt viele Schmerzdefinitionen, längere Zeiträume, den PDF-Arztbericht und die Datenübertragung gibt es Pro als Abo oder Einmalkauf.

Landen meine Gesundheitsdaten in einer Cloud? Bei SchmerzTrack nicht. Alle Einträge liegen verschlüsselt auf dem Gerät, es gibt kein Backend und kein Nutzerkonto. Für den Gerätewechsel gibt es mit Pro den Export als .strack-Datei.

Reicht nicht auch eine Vorlage auf Papier? Für den Einstieg oft ja. Der Vergleich mit allen Vor- und Nachteilen steht in Schmerztagebuch-Vorlage zum Ausdrucken oder App.


SchmerzTrack ist kein Medizinprodukt und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Die App dient der persönlichen Dokumentation und Selbstbeobachtung.