Migräne- und Kopfschmerztagebuch führen: Auslöser finden, Kopfschmerztage zählen

2026-08-26 Migräne Kopfschmerzen Schmerztagebuch Trigger

Kaum eine Beschwerde profitiert so sehr von guter Dokumentation wie Kopfschmerz. Der Grund ist einfach: Für die Einordnung zählen Dinge, die man aus dem Gedächtnis fast nie sauber zusammenbekommt - wie viele Kopfschmerztage pro Monat, wie oft Schmerzmittel genommen wurden und was den Attacken vorausging.

Ein Kopfschmerz- oder Migränetagebuch beantwortet genau diese drei Fragen. So baust du es auf.

Warum gerade bei Kopfschmerzen dokumentieren?

  • Kopfschmerztage pro Monat sind die zentrale Verlaufsgröße. Ob eine Prophylaxe wirkt, zeigt sich fast immer daran - und nicht an der Erinnerung an die schlimmste Attacke.
  • Attacken sind episodisch. Zwischen zwei Terminen liegen Wochen; ohne Notizen verschwimmen sie zu „ging so".
  • Nach der Attacke ist die Erinnerung unscharf. Der Beginn, die Dauer und die Vorboten sind schon am Folgetag schwer zu rekonstruieren.
  • Die Zahl der Schmerzmitteltage ist medizinisch relevant und lässt sich nur mit Aufzeichnungen belastbar angeben.

Was du bei jeder Attacke festhalten solltest

  1. Beginn und Ende - daraus ergibt sich die Dauer, ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal verschiedener Kopfschmerzformen.
  2. Intensität auf einer festen Skala, üblicherweise 0–10.
  3. Ort und Charakter - einseitig oder beidseitig, pochend, drückend, stechend.
  4. Begleitsymptome - Übelkeit, Licht- oder Lärmempfindlichkeit, Sehstörungen vor der Attacke.
  5. Auslöser-Kandidaten und Umstände - Schlaf, Stress, Mahlzeiten ausgelassen, Alkohol, Wetterwechsel, Bildschirmzeit, Zyklus.
  6. Medikamente - Präparat, Zeitpunkt, Dosis und ob es gewirkt hat.
  7. Auswirkung - konntest du arbeiten, musstest du dich hinlegen?

In SchmerzTrack bildest du Punkt 3 über die Tags zur Schmerzart ab (stechend, dumpf, brennend, krampfartig, ziehend, drückend, pochend) und Punkt 5 über die Tags zu den Umständen (ängstlich, gestresst, kalt, warm, bewegt, ausgeruht, schlecht geschlafen, Alkohol). Begleitsymptome und Medikamente kommen in die freie Notiz - halte dabei eine feste Schreibweise durch, etwa „Ibu 400 um 14:10, nach 1 h besser". Einheitliche Formulierungen sind später im Bericht deutlich leichter zu überblicken.

Trigger erkennen - und nicht zu früh Schlüsse ziehen

Der häufigste Fehler beim Triggersuchen: aus einem einzelnen zeitlichen Zusammenhang eine Ursache machen.

  • Ein Zusammentreffen ist kein Auslöser. Erst wenn ein Faktor über viele Attacken hinweg auffällig oft dabei ist - und an vergleichbaren beschwerdefreien Tagen fehlt -, wird er interessant.
  • Vorsicht bei „Heißhunger als Trigger". Bei Migräne kann die Vorphase selbst Appetit auf Bestimmtes machen. Die Schokolade ist dann eher ein frühes Symptom als die Ursache.
  • Meist ist es eine Kombination. Kurze Nacht plus ausgelassene Mahlzeit plus Stress - einzelne Faktoren allein bleiben oft folgenlos.
  • Nicht vorschnell verzichten. Wer aufgrund eines Verdachts ganze Lebensmittelgruppen streicht, schränkt sich unnötig ein. Besprich Verdachtsmomente lieber mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Praktisch heißt das: dokumentiere die Umstände an allen Tagen, nicht nur an Attackentagen. Ohne die guten Tage fehlt die Vergleichsgruppe - und dann sieht jeder Faktor nach Trigger aus.

Schmerzmitteltage im Blick behalten

Werden Schmerz- oder Migränemittel an vielen Tagen im Monat eingenommen, kann sich der Kopfschmerz dadurch verstärken und häufiger werden - Fachleute sprechen vom Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch. Als grobe Warnschwelle gilt eine Einnahme an zehn oder mehr Tagen pro Monat über mehrere Monate.

Genau deshalb lohnt sich die Notiz bei jeder Einnahme: Sie macht aus einem Gefühl („ich nehme eigentlich selten was") eine zählbare Zahl. Wenn du in die Nähe dieser Größenordnung kommst, ist das kein Grund, Medikamente eigenmächtig abzusetzen - sondern ein guter Anlass, das Thema in der Sprechstunde anzusprechen.

Aufbau in SchmerzTrack

Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz. Bewährt hat sich, die Formen zu trennen, die sich für dich klar unterschiedlich anfühlen - etwa eine Definition „Migräne" und eine „Spannungskopfschmerz", jeweils mit eigener Farbe und der Skala 0–10.

  • In der kostenlosen Version ist eine aktive Schmerzdefinition enthalten. Wenn du dich für eine entscheiden musst: nimm die Form, die dich am stärksten belastet.
  • Mit Pro legst du unbegrenzt viele Definitionen an und siehst mehrere Verläufe gemeinsam in einem Diagramm - so wird sichtbar, ob wirklich beide Formen zunehmen oder nur eine.

Für den monatlichen Blick auf die Kopfschmerztage ist die Aktivitäts-Heatmap der letzten drei Monate praktisch: Sie zeigt auf einen Blick, an wie vielen Tagen überhaupt etwas eingetragen wurde. Die Wochen-Trends sagen dir, ob die laufende Woche besser läuft als die vorherige; mit Pro kommen eine dritte Vergleichskarte sowie Chart-Zeiträume über 90 Tage und den Gesamtzeitraum hinzu.

Was in der Sprechstunde zählt

Bereite drei Zahlen und einen Satz vor:

  1. Kopfschmerztage im letzten Monat - „14 von 31 Tagen."
  2. Tage mit Akutmedikation - „an 8 Tagen."
  3. Typische Dauer und Stärke - „meist 6 bis 8 Stunden, Stärke 7."
  4. Veränderung - „im Vergleich zu den drei Monaten davor etwa gleich viele Tage, aber längere Attacken."

Mit SchmerzTrack Pro erzeugst du daraus einen PDF-Arztbericht über einen frei gewählten Zeitraum von einer Woche bis zu einem Jahr, wahlweise mit Diagrammen. Wie das aussieht, zeigt der Beispiel-Bericht als PDF. Die Grundregeln für saubere Einträge stehen in der Anleitung Schmerztagebuch führen.

Wann du nicht auf den nächsten Termin warten solltest

Ein Tagebuch ist für den Verlauf da, nicht für Notfälle. Sofort ärztlich abklären lassen solltest du unter anderem einen schlagartig einsetzenden, extrem starken Kopfschmerz, Kopfschmerz mit Fieber und Nackensteife, mit Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen, nach einem Sturz oder Kopfanprall, sowie einen Kopfschmerz, der sich plötzlich völlig anders anfühlt als gewohnt.

Häufige Fragen

Wie lange sollte ich ein Kopfschmerztagebuch führen? Mindestens vier Wochen, besser drei Monate. Erst über mehrere Zyklen hinweg werden Häufigkeitsmuster und die Wirkung einer Prophylaxe sichtbar.

Muss ich auch an guten Tagen etwas eintragen? Ja. Ohne beschwerdefreie Tage lässt sich weder die Zahl der Kopfschmerztage angeben noch ein Trigger sinnvoll prüfen.

Kann ich Migräne und Spannungskopfschmerz in einem Eintrag mischen? Besser nicht. Trenne sie in zwei Schmerzdefinitionen - sonst mittelt der Verlauf zwei unterschiedliche Beschwerden zu einer Kurve zusammen.

Bleiben meine Aufzeichnungen privat? Ja. SchmerzTrack speichert alle Einträge verschlüsselt auf deinem Gerät, ohne Konto und ohne Server. Zusätzlich lässt sich die App per Face ID oder Touch ID sperren.


SchmerzTrack ist kein Medizinprodukt und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Die App dient der persönlichen Dokumentation und Selbstbeobachtung.